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Montag, 30. Januar 2012

Wintergedicht

Mag da draußen Schnee sich türmen,
mag es hageln,mag es stürmen,
klirrend mir ans Fenster schlagen,
nimmer will ich mich beklagen,
denn ich trage in der Brust.
Liebchens Bild und Frühlingslust.
Heinrich Heine (1797-1856)

Freitag, 27. Januar 2012

Der Winter


Der Winter
Wenn Blätter von den Bäumen stürzen,
die Tage täglich sich verkürzen,
wenn Amseln, Drosseln, Finken, Meisen,
die Koffer packen und verreisen.
Wenn all die Maden, Motten, Mücken,
die wir vergaßen zu zerdrücken
von selber sterben, so glaub mir!
Es steht der Winter vor der Tür!
Ich laß ihn stehn, ich spiel ihm einen Possen,
ich hab die Tür verriegelt und gut abgeschlossen,
der kann nicht rein, ich hab ihn angeschmiert,
jaaa, jetzt steht der Winter vor der Tür.

- und friert.

(Heinz Erhardt)

Sonntag, 22. Januar 2012

Winterlied


WINTERLIED

Das Feld ist weiß, so blank und rein,
Vergoldet von der Sonne Schein,
Die blaue Luft ist stille,
Hell wie Kristall
Blinkt überall
Der Fluren Silberhülle.

Der Lichtstrahl spaltet sich im EIs,
Es flimmert blau und rot und weiß,
Und wechselt seine Farbe.
Aus Schnee heraus
Ragt, nackt und kraus,
Des Dornengebüsches Garbe.

Von Reifenduft befiedert sind
Die Zweige rings, die sanfte WInd'
Im Sonnenstrahl bewegen.
Dort stäubt vom Baum
Der Flocken Flaum
Wie leichter Blütenregen.

Johannes Gaudenz von Salis-Seewis

Montag, 16. Januar 2012

Der Mensch


DER MENSCH


Manchmal sinnier ich vor mich hin,
wozu ich auf der Welt hier bin.
Was hat der Herrgott sich gedacht,
als er den Menschen hat gemacht.

Schaut man sich heut den Menschen an,
ist nichts Besondres an ihm dran.
Macht die Natur sich untertan
und denkt, dass Tiere auch man quälen kann.

Er führt Krieg, ruiniert die Welt,
sich gegen seinen Schöpfer stellt.
Den Erdball langsam er vergiftet
und sich selbst damit vernichtet.
Das, mein ich, ist gar nicht schlecht,
der Umwelt wär das sicher recht.

Veronika Bayer


Freitag, 13. Januar 2012

Spuren im Sand


 ╰დ╮SPUREN IM SAND╭დ╯
Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten,
Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben.
Und jedesmal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.
Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen
war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur
zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:
"Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du
mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich, daß in den schwersten Zeiten
meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am
meisten brauchte?"

Da antwortete er:
 ╰დ╮"Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie
allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten.
Dort wo du nur eine Spur gesehen hast,
da habe ich dich getragen."╭დ╯

Originalfassung des Gedichts Footprints (c) 1964 Margaret Fishback Powers;
deutsche Fassung des Gedichts Spuren im Sand (c) 1996 Brunnen Verlag, Gießen


Montag, 9. Januar 2012

Im Winter


Im Winter


(Grieskirchen - Gäu - Böhmerwald (Oberösterreich):
Im Winter 1939
ging der Siebmacher Jakob
mit seinem Sohne Gustl, Foxl Puzi
von Grieskirchen bis Winterberg im Böhmerwald
und zurück, 12 Tage lang.)


Zum Urwald stapfen wir weit über Kollerschlag:
Wir sind Herr und Hund und ich, ein flinker Knabe.
Ab und zu begleitet uns ein grauer Rabe.
Wir jagen Holz, das sich gespalten biegen mag....

Spät dreh ich Hühnerspieße um in St.Ägid.
Schön zu schaun, daß alle Stücke prächtig brutzeln.
Es tut gut, an Kletzen nebenbei zu zutzeln.
Nun ist's geschafft. Den Gästen schmeckts; sie sind splendid.

Zerzauste EIskristalle zirpen zag bizarr:
Tönchen für die faulen Sänger Nebelkrähen,
Die nach fetten Nagern seit dem Morgen spähen.
Mausschwänzchen munden schneegestäubt wie Kaviar...

Mit Bandeln messen wir gespannt den Fichtenstamm,
Weil wir weiche Riesennadelbäume suchen.
Handeln, buchen, über sturen Wucher fluchen.
Im Stall erschöpft, verfroren Hund und Mensch und Lamm.....

Der Vater viel vom Holz und Weg und Wirtschaft weiß.
Doch der Bub, er fühlt die Waldes-Wunder walten,
Ahnt, wie Tannentürme ihre Zeit gestalten.
Der Hund schiebt in der Kegelstatt die Kugel heiß....

Die Tannen sind für Siebereifen zweite Wahl,
Widerborstig, stolz auf Ja und Nein, wie Kiefer.
Anzunehmen - wie beim Stein der schöne Schiefer -
Die Fichte, biegelieb, bereit in grosser Zahl.

Eis brennt wie Feuer: wir verlieren nicht den Mut!
Spalten frisches Holz, erproben sieben Siebe;
Weizen, Roggen, Gerste, Hafer rüttelnd schiebe!
Gesunden dann bewußt; die Ruhe tut uns gut....

Im Schnee versunken, freigeschaufelt Mensch und Tier.
Dennoch tiefer in den Forst noch vorgedrungen.
Nachts im Wirtsbett: Hund und Ofenstein umschlungen,
Die Tuchent steif, zu kurz. Am Tisch ein Krügerl Bier.

Handmühle, Tusset, Schattawa und Eisenstein:
Säger schleifen an zur Bahn gefällte Stämme,
Zweige, Rinden, Nadeln glätten zähe Kämme....
Der Hund tut was. Beim Buben rinnen Tränen ein.

Die Sonne schläft. Im Boden harrt schon mancher Keim.
Von den Wipfeln stürzen Schneelawinen nieder.
Uns're Wunden, schneebedeckt, verheilen wieder.
Die Beute fährt. Wir gehn zu Fuß. Wir kehren heim.


Gustaf A.Neumann (Sieberer, 1980, aus dem Buch Suchen nach Sinn)


Freitag, 6. Januar 2012

An die Bäume im Winter


An die Bäume im Winter
Gute Bäume, die ihr die starr entblätterten Arme
Reckt zum Himmel und fleht wieder den Frühling herab!
Ach, ihr müsst noch harren, ihr armen Söhne der Erde,
Manche stürmische Nacht, manchen erstarrenden Tag!
Aber dann kommt wieder die Sonne mit dem grünenden Frühling
Euch; nur kehret auch mir Frühling und Sonne zurück?
Harr geduldig, Herz, und bringt in die Wurzel den Saft dir!
Unvermutet vielleicht treibt ihn das Schicksal empor.
Johann Gottfried Herder

Winterlied


Winterlied

Geduld, du kleine Knospe
Im lieben stillen Wald,
Es ist noch viel zu frostig,
Es ist noch viel zu bald.

Noch geh ich dich vorüber,
Doch merk ich mir den Platz,
Und kommt heran der Frühling,
So hol ich dich, mein Schatz.
Graf von Platen